Poetisches

Besagter Lenz ist da


Es ist schon so. Der Frühling kommt in Gang.

Die Bäume räkeln sich. Die Fenster staunen.
Die Luft ist weich, als wäre sie aus Daunen.
Und alles andere ist nicht von Belang.

Nun brauchen alle Hunde eine Braut.
Und Pony Hütchen sagte mir, sie fände:
Die Sonne habe kleine, warme Hände
Und krabble ihr mit diesen auf der Haut.

Die Hausmannsleute stehen stolz vorm Haus.
Man sitzt schon wieder auf Caféterrassen
Und friert nicht mehr und kann sich sehen lassen.
Wer kleine Kinder hat, der fährt sie aus.

Sehr viele Fräuleins haben schwache Knie.
Und in den Adern rollt´s wie süße Sahne.
Am Himmel tanzen blanke Aeroplane.
Man ist vergnügt dabei. Und weiß nicht wie.


Man sollte wieder mal spazierengehn.
Das Blau und Grün und Rot war ganz verblichen.
Der Lenz ist da! Die Welt wird frisch gestrichen!
Die Menschen lächeln, bis sie sich verstehn.

Die Seelen laufen Stelzen durch die Stadt.
Auf dem Balkon stehn Männer ohne Westen
Und säen Kresse in die Blumenkästen.
Wohl dem, der solche Blumenkästen hat!

Die Gärten sind nur noch zum Scheine kahl.
Die Sonne heizt und nimmt am Winter Rache.
Es ist zwar jedes Jahr dieselbe Sache,
doch es ist immer wie zum ersten Mal.

Erich Kästner

 

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Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen, und laufen.
Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt,
entdeckt man, dass man Flügel hat.

Helen Hayes

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Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,
Hoffst du von Tagen zu Tagen,
Was dir der blühende Frühling nicht trug,
Werde der Herbst dir noch tragen!

Lässt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Immer zu schmeicheln, zu kosen.
Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
Abends verstreut er die Rosen.

Lässt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Bis er ihn völlig gelichtet.
Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,
Was wir geliebt und gedichtet.

Friedrich Rückert

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Huschende Fledermäuse.
Zum Trocknen aufgehängte Kleider
Schatten dunkler Wolken


Ikaku (1661 - 1707), japanischer Dichter, Schüler Bashôs

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und noch ein netter Pfingstgruß......

Wer ahnte, dass zum Weihnachtsfest
Cornelia mich sitzen lässt?
Das war noch nichts: zu Ostern jetzt
hat sie mich abermals versetzt!
Nun freu ich mich auf Pfingsten –
nicht im geringsten!

Heinz Erhardt (1909 - 1979)

 

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Mai

Mit Maiglöckchen
läutet das junge Jahr
seinen Duft
Der Flieder erwacht
aus Liebe zur Sonne
Bäume erfinden wieder ihr Laub
und führen Gespräche
Wolken umarmen die Erde
mit silbernem Wasser
da wächst alles besser
Schön ist's im Heu zu träumen
dem Glück der Vögel zu lauschen
Es ist Zeit sich zu freuen
an atmenden Farben
zu trauen dem blühenden Wunder
Ja es ist Zeit
sich zu öffnen
allen ein Freund zu sein
das Leben zu rühmen.

Rose Ausländer (1901-1988)

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Auf dem Hof

Sonnenschein fällt in das letzte Sprühen des Mairegens.
Der neue Leiterwagen dampft in die Sonne.
Ein Tropfen blitzt.
Unter ihm, in einer kleinen Lache, blauer Himmel und weiße Wölkchen.

Paul Ernst · 1866-1933

 

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Der alte Teich
Ein Frosch springt hinein
Vom Wasser ein Geräusch

Basho

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Linguistik

Du musst mit dem Obstbaum reden.

Erfinde eine neue Sprache,

die Kirschblütensprache,

Apfelblütensprache,

rosa und weiße Worte,

die der Wind lautlos davonträgt.

Vertraue dich dem Obstbaum an

wenn dir ein Unrecht geschieht.

Lerne zu schweigen

in der rosa

und weißen Sprache.

Hilde Domin

 

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FRÜHLING

 

Mit dem Akazienduft
fliegt der Frühling
in dein Erstaunen

Die Zeit sagt
ich bin tausendgrün
und blühe
in vielen Farben

Lachend ruft die Sonne
ich schenke euch wieder
Wärme und Glanz

Ich bin der Atem der Erde
flüstert die Luft

Der Flieder
duftet
uns jung

 

Rose Ausländer

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"Beim Lesen habe ich das Gefühl, ich gewinne Zeit,
Lebenszeit, Aufmerksamkeit, Konzentration, Anregung, Bilder, Erfahrungen."
Julia Franck

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Abend im Herbst.
Auf einem dürren Ast
hockt eine Krähe.
Matsuo Bashô

...leichter schlägt das Menschenherz

zwischen Februar und März

 

 

 

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