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Karen Köhler: Miroloi


Karen Köhler: Miroloi

Der Roman von Karen Köhler „Miroloi“ hat eine eigenartige Ausstrahlung ...
Stellt euch eine paradiesische Insel vor mit einem schönen Dorf. Umgeben von einem Meer, tiefblau, manchmal silbrig. Dort lebt ein junges Mädchen, eine Außenseiterin, sie ist namenlos, ein Findelkind.

Die Insel scheint eine griechische Insel zu sein. „Miroloi“, aus dem Griechischen, beschreibt eine Totenklage; es gibt Regionen in Griechenland, da singen die Dorfältesten nach dem Ableben eines Menschen sein Leben nach.

Bei der kleinen Insel im Roman läuft nur gelegentlich ein Schiff den Hafen an. Es bringt den Bewohnern und Bewohnerinnen Waren, nützliche und viel Unnützes. Beim Hafen stehen die Fischerhütten, darüber liegt das Dorf, darüber das Bethaus und darüber die Mühle des Müllers und eine Siedelei. Es scheint, als hätte niemand diese Insel je verlassen.

Der Roman bekam Verrisse, man hatte von Karen Köhler nach ihrem Erzählband „Wir haben Raketen geangelt“ anderes erwartet. Ich bin froh, dass ich zuerst den Roman las, erst danach die Verrisse. Mich nahm seine Sprache, seine Melodie gefangen, ich ließ mich von seinen Strophen tragen. Auch die sprachspielerischen Mittel haben mir gefallen, ich konnte beim Lesen das Nuscheln des Müllers, derimmerohneleerzeichenspricht, hören und spüren.

Vorgeworfen wurde dem Roman, er sei ein „naives Jugendbuch“. Ist das ein Vorwurf? Ich selbst lese mit Vergnügen auch Jugendbücher! Ich schließe mich Elke Schmitter an und sage: Dies ist ein ungewöhnliches Buch! Der NDR machte „Miroloi“ zum Buch des Monats. Lies also und lass dich tragen von den Strophen der namenlosen Erzählerin.

Und über den Alltag der Ich-Erzählerin:
Zitat: In der achten Morgenstunde mache ich endlich den Kaffee und einen großen Krug Salbeitee, ich röste Brot, schneide Käse und Domates auf und bringe dem Bethaus-Vater sein Frühstück.

Mein Tipp: Ahmt dieses Frühstück nach und genießt es beim Lesen oder einfach so. Und wenn du nicht weißt, was Domates sind, so verrate ich es dir hier: Gemeint sind damit Tomaten, die richtig nach Tomate schmecken.

Autor:in Mechthild Goetze
Bibliothekarin und ziemlich beste Literaturkennerin/vermittlerin

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